Vorurteil: „Eine Musikquote würde die Hörer reglementieren.“
Widerlegung: Die Reglementierung haben wir schon, ohne Quote: Alle Hörer werden gezwungen, monotone amerikanische Meterware zu hören, nach dem Motto des kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenners – die Musik soll aus einer möglichst großen Menschengruppe möglichst wenige (Werbekunden) verschrecken. Die meisten Umfragen zeigen, daß die meisten Menschen mehr deutsche Musik hören wollen. Durch eine Quote wird die Vielfalt im Radio größer werden.
Vorurteil: „Der Markt wird es allein regeln.“
Widerlegung: Wenn das so wäre, gäbe es längst mehr Vielfalt im Radio – schließlich gibt es das duale Rundfunksystem bereits seit 20 Jahren. Die Praxis zeigt, daß vor allem die werbefinanzierten Privatsender keinerlei Interesse daran haben, ihren Hörern musikalische Abwechslung zu bieten, neue Bands zu präsentieren oder gar aufzubauen. Die meisten Sender gleichen sich wie ein Ei dem anderen.
Vorurteil: „Eine Quote beeinträchtigt die Sender.“
Widerlegung: Wenn der eine oder andere ununterscheidbare Dudelfunk untergehen würde, wäre das sicher kein Verlust. Insgesamt ist aber keinerlei Benachteiligung zu erwarten, würde eine Quote doch alle Sender gleichmäßig treffen. Etliche Marktexperten rechnen übrigens mit einem deutlichen Höreranstieg bei den Sendern – schließlich könnte Radio hören endlich wieder Spaß machen...
Vorurteil: „In Wirklichkeit steckt die Musikindustrie hinter einer Quotenforderung.“
Widerlegung: Wer ist die Musikindustrie? Das sind im engsten Sinn Verlage und Musiker, ferner die Sender selbst und vermutlich Werbetreibende. Richtig ist, daß vor allem kleinere Musikverlage sich auch für eine Quote einsetzen, weil sie durch den anscheinend bestehenden Boykott deutschsprachiger Musik ein recht mühsames Dasein fristen.
Vorurteil: „Es gibt allemal genug Volksmusik und Schlager im Radio.“
Widerlegung: Stimmt . Aber es geht bei der Quote nicht um Lieder von Hanne Haller oder den Kastelruther Spatzen, sondern um deutschen Rock und Pop von Ajano bis Zander. Um originelle Songs von Mey und Wader, Knallhartes von Rammstein und Puhdys, Balladen von City und Karat, Chansons von Rosenstolz, Klangteppiche von Mila Mar, und Hiphop von den Söhnen Mannheims sowie Punk der Toten Hosen und Ärzte. Kurzum: die gesamte, wunderbare Vielfalt der deutschen Musikszene.
Vorurteil: „Qualität setzt sich von alleine durch.“
Widerlegung: Die gute Qualität kann sich nur durchsetzen, wenn sie überhaupt im Angebot ist. Das soll die Quote bewirken.
Vorurteil: „Eine Quote ist deutschtümelnd.“
Widerlegung: Dieses ewiggestrige Argument ist dümmlich. Die jetzige Quasiquote ist amerikatümelnd. Eine Quote zugunsten einheimischer Musik gibt es in 19 Ländern. Viele weitere Länder haben eine Regelung nicht nötig, weil ohnehin genug einheimische Musik gespielt wird. Ferner bleibt bei etwa einer 40-Prozent-Quote noch genug Raum für bunte Vielfalt aus aller Welt.
Vorurteil:„Der Staat darf sich nicht in Sprachbelange einmischen.“
Widerlegung: Der Staat – wir alle – mischt sich vielleicht schon in zuviel ein, das ist richtig. Aber warum ausgerechnet die Sprache, unser kostbarstes Kulturgut, jedes wohlwollenden Schutzes entbehren soll, „den doch jeder Misthaufen genießt“ (Schopenhauer), leuchtet nicht ein.
Nur nebenbei: Die Politik scheut sich auch nicht, in die Rechtschreibung der größten Sprachenfamilie Europas einzugreifen...
Vorurteil:„Es gibt nicht genug deutsche Musik, um die Quotenforderung einzuhalten.“
Widerlegung: Wer das behauptet, kennt die deutsche Musikszene nicht im mindesten (oder hört nur Radio). Gerade in diesen Tagen erlebt sie einen gewaltigen Aufschwung und ist vielfältiger und spannender als je zuvor. Nur ist davon bisher leider nichts zu hören. Selbst kleine Länder wie Litauen oder Tschechien haben keine Mühe, rund die Hälfte ihrer Musik aus eigenen Reihen zu spielen.
Vorurteil: „Es gibt aber schon Sender, die bereits soundsoviel deutsche Musik spielen.“
Toll! ...