Alle reden darüber. Keiner hört was davon: Deutsche Musik. Jetzt soll eine Quotenregelung her. Unsinn!, sagen die einen, Quatsch! die anderen. Wir haben ohnehin schon das abwechslungsreichste Programm weltweit, schließlich jagt eine lustigste Morgenshow diesselbe; hier das Beste aus den Achtzigern, Neunzigern und Hundertern und dort ein bunter Mix aus Oldies und Superhits von vor der Sintflut bis vorvorgestern. Privatradiomacher sind sich einig: »Wir spielen sowieso nur die Sachen, die unsere Hörer wollen. Das zeigen die vielen Anrufe, die bei uns ausbleiben.« Das unabhängige Magazin für Meinungsforschung auf Seiten der Betroffenen, der Eulenspiegel, fragt bei Experten nach, und überläßt es ganz objektiv dem Leser, sich unsere Meinung zu bilden.

Pro & Contra: Brauchen wir eine Musikquote?

»Ja!«

Ja!meint Udo Lindhberg, erster Tiefflieger der deutschen Rockszene.

Wenn ich zu Hause das Radio anmache, egal in welchem Hotel, höre ich den ganzen Tag lang amerikanischen Schrott. In Amerika genauso wie in den USA, und am Ende sogar noch in unserer schrillbunten Republik.
Es hat doch überhaupt nichts mit brauner Nazisoße zu tun, einfach mal einen guten Udo-Titel zu spielen. Ich meine, ich brauch' sie nicht, die Quote, aber meine jüngeren Kollegen oder die Newcomer können sich einfach nicht durchsetzen ohne, wie Heinz Rudolf oder Nina. Ich höre immer, der Markt reguliert sich von selber. Dabei geht's doch in Wahrheit nur noch um den kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner - den könnte man mit Westernhagen genausogut treffen.
Klar, eine Quote führt nicht immer zu Qualität, wie die Mädels bei der SPD beweisen. Aber Du mußt erstmal hochkommen, um reinzukommen. Und was es bedeutet, wenn Leute die Titel überhaupt nicht verstehen, weiß ich von meinen Konzerten. Das deutsche Kulturgut geht gerade locker mal den Bach runter: Sachen wie Andrea Doria oder Mädchen aus Ostberlin, hört Du höchstens noch in Australien. Als Pionier in Sachen Deutschsing habe ich sie schon vor Jahren vom Großen Generalsekretär gefordert, die Quote. Eine Sache, die der alte Junge ja auch sauber hingekriegt hat. Bloß Udo haben sie trotzdem nicht gespielt. Deshalb meine Forderung: Wenn schon nicht deutschen Rock, dann wenigstens jede Menge deutsche Röcke!


»Nein!«

Nein!meint Gerd Geberhart, Vorsitzender des deutschen platten Schallverbands.

Um es klar zu sagen: Musikquote? Keine Ahnung. Oder wenigstens vielleicht. Schon jetzt nagen bei uns gerade kleinere Verlage wie Bertelsmann am Hungertuch. Und was hat es der bundesdeutschen Musik genutzt? Höchstens gar nichts. Oder sogar bloß die Hälfte. Das muß man sich doch erst mal klarmachen, bevor man eine Quote einschaffen oder abführen will!
In der ganzen Welt wird deutsche Musik geschätzt, zum Beispiel Modern Talking in Wladiwostok und Patrick Lindner im Pflegeheim Abendröte-Rautenkranz. Einerseits spielen unsere Musiker also vor ausverkauften Telefonzellen, andererseits werden nach wie vor Regenwälder abgeholzt und Stiere in Spanien aufgespießt. Das muß sich ändern! Man kann im Leben eben immer nur eins haben: CO2-Ausstoß oder Nana Mouskouri. Beides zusammen führt nur zu Krankheiten und Carmen Nebel. Deshalb bin ich im Grunde auch gegen eine Deutschquote - zumindest, solange ich nicht dafür bin: Gotthilf Fischer kommt auch so, und dafür, daß gutes Deutsch im Liedtext nicht Überhand nimmt, sorgt Xavier Naidoo.