»Ja!«
meint
Udo Lindhberg, erster Tiefflieger der deutschen Rockszene.
Wenn ich zu Hause das Radio anmache, egal in welchem Hotel,
höre ich den ganzen Tag lang amerikanischen Schrott. In Amerika genauso
wie in den USA, und am Ende sogar noch in unserer schrillbunten Republik.
Es hat doch überhaupt nichts mit brauner Nazisoße zu tun, einfach
mal einen guten Udo-Titel zu spielen. Ich meine, ich brauch' sie nicht, die
Quote, aber meine jüngeren Kollegen oder die Newcomer können sich
einfach nicht durchsetzen ohne, wie Heinz Rudolf oder Nina. Ich höre immer,
der Markt reguliert sich von selber. Dabei geht's doch in Wahrheit nur noch
um den kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner - den könnte man mit Westernhagen
genausogut treffen.
Klar, eine Quote führt nicht immer zu Qualität, wie die Mädels
bei der SPD beweisen. Aber Du mußt erstmal hochkommen, um reinzukommen.
Und was es bedeutet, wenn Leute die Titel überhaupt nicht verstehen, weiß
ich von meinen Konzerten. Das deutsche Kulturgut geht gerade locker mal den
Bach runter: Sachen wie Andrea Doria oder Mädchen aus Ostberlin, hört
Du höchstens noch in Australien. Als Pionier in Sachen Deutschsing habe
ich sie schon vor Jahren vom Großen Generalsekretär gefordert, die
Quote. Eine Sache, die der alte Junge ja auch sauber hingekriegt hat. Bloß
Udo haben sie trotzdem nicht gespielt. Deshalb meine Forderung: Wenn schon nicht
deutschen Rock, dann wenigstens jede Menge deutsche Röcke!
»Nein!«
meint
Gerd Geberhart, Vorsitzender des deutschen platten Schallverbands.
Um es klar zu sagen: Musikquote? Keine Ahnung. Oder wenigstens
vielleicht. Schon jetzt nagen bei uns gerade kleinere Verlage wie Bertelsmann
am Hungertuch. Und was hat es der bundesdeutschen Musik genutzt? Höchstens
gar nichts. Oder sogar bloß die Hälfte. Das muß man sich doch
erst mal klarmachen, bevor man eine Quote einschaffen oder abführen will!
In der ganzen Welt wird deutsche Musik geschätzt, zum Beispiel Modern Talking
in Wladiwostok und Patrick Lindner im Pflegeheim Abendröte-Rautenkranz.
Einerseits spielen unsere Musiker also vor ausverkauften Telefonzellen, andererseits
werden nach wie vor Regenwälder abgeholzt und Stiere in Spanien aufgespießt.
Das muß sich ändern! Man kann im Leben eben immer nur eins haben:
CO2-Ausstoß oder Nana Mouskouri. Beides zusammen führt nur zu Krankheiten
und Carmen Nebel. Deshalb bin ich im Grunde auch gegen eine Deutschquote - zumindest,
solange ich nicht dafür bin: Gotthilf Fischer kommt auch so, und dafür,
daß gutes Deutsch im Liedtext nicht Überhand nimmt, sorgt Xavier
Naidoo.